Normen

Die gemessenen Resistenzergebnisse (quantitative Angaben in mg/l für die MHK bzw. mm für die Hemmhofdurchmesser) werden anhand von Grenzwerten in die Kategorien sensibel, intermediär und resistent eingeteilt. Nach der weltweit gültigen ISO 20776-1 sind die Kategorien wie folgt definiert:

  • Sensibel (S): Als sensibel gegen ein bestimmtes Antibiotikum wird ein Bakterienstamm dann bezeichnet, wenn er in vitro von einer Konzentration dieses Wirkstoffs inhibiert wird, die mit einer hohen therapeutischen Erfolgswahrscheinlichkeit assoziiert ist.
  • Intermediär (I): Als intermediär gegen ein bestimmtes Antibiotikum wird ein Bakterienstamm dann bezeichnet, wenn er in vitro von einer Konzentration dieses Wirkstoffs inhibiert wird, die mit einem unsicheren therapeutischen Ergebnis assoziiert ist.
  • Resistent (R): Als resistent gegen ein bestimmtes Antibiotikum wird ein Bakterienstamm dann bezeichnet, wenn er in vitro von einer Konzentration dieses Wirkstoffs inhibiert wird, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit des Therapieversagens assoziiert ist.

International existieren verschiedene Standards für die Durchführung der Methoden und die Bewertung der Ergebnisse als sensibel, intermediär und resistent. Die Situation in Deutschland war bis vor wenigen Jahren gekennzeichnet durch ein Nebeneinander der Anwendung der Norm 58940 "Empfindlichkeitsprüfung von mikrobiellen Krankheitserregern gegen Chemotherapeutika" des Normenausschusses Medizin im DIN (NAMed) und den US-amerikanischen Standards des Clinical Laboratory Standards Institute (CLSI). Die Anwendung der einen oder anderen Norm kann zu unterschiedlichen Bewertungen führen: So kann ein Erreger, der nach CLSI als sensibel bewertet wird, unter Umständen nach DIN 58940 als resistent eingestuft werden.

Ende der 1990er Jahre wurde von der European Society for Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) das European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing (EUCAST) zur Harmonisierung der Standards in Europa ins Leben gerufen.

EUCAST bestimmt und aktualisiert Grenzwerte für die Empfindlichkeitstestung von antimikrobiellen Substanzen bei Bakterien und Pilzen zum Zweck des therapeutischen Einsatzes in der Humanmedizin in Europa. EUCAST bestimmt epidemiologische cut-offs, die den Wildtyp eines Erregers von Isolaten mit erworbenen Resistenzmechanismen trennen. EUCAST publiziert Expertenregeln, die eine einheitliche Bewertung von Resistenzergebnissen unterstützen.

EUCAST arbeitet transparent, industrieunabhängig und die Ergebnisse sind auf der Homepage frei verfügbar.

Seit 2012 besteht ein das Nationales Antibiotika-Sensitivitätstest-Komitee (NAK), das die Etablierung von EUCAST-Grenzwerten in Deutschland zum Ziel hat.

2018 hat das EUCAST eine Modifikation der Definition der Kategorien zur Empfindlichkeitsbewertung vorgenommen, die die Dosierung in den Mittelpunkt rückt und am 1.1.2019 in Kraft treten wird. Dies wird weit reichende Konsequenzen für Laboratorien wie auch für die Befundempfänger haben, über die das NAK informieren wird.

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