Erregeridentifizierung und Resistenztestung

Für die Identifizierung des Erregers, der aus dem Probenmaterial isoliert wurde, steht ein weites Spektrum von biochemischen Methoden zur Verfügung, die sowohl hausgemacht als "bunte Reihe" wie in Form von kommerziellen Testkits zum Einsatz kommen. Seit einigen Jahren wird auch die MALDI-TOF-Massenspektrometrie (MALDI-TOF = Matrix Assisted Laser Desorption/Ionisation - Time Of Flight) in der Routinediagnostik eingesetzt. Vielfach ist die Erregeridentifizierung integrierter Bestandteil von Testautomaten. Die Wahl der Methode wird u.a. auch in Abhängigkeit vom Probenmaterial getroffen.

Hinsichtlich der Resistenztestung beschreibt die für Deutschland maßgebliche DIN 58940 "Empfindlichkeitsprüfung von mikrobiellen Krankheitserregern gegen Chemotherapeutika" die Standardmethoden:

  • Der Mikrobouillonverdünnungstest gilt als Referenzmethode. Es handelt sich um einen Reihenverdünnungstest, bei dem geometrische Verdünnungen des zu testenden Antibiotikums in ein flüssiges Nährmedium mit dem zu testenden Erreger inokuliert werden (Bouillondilutionsmethode). Nach der Inkubationszeit (meist 18-24h) wird das Ergebnis visuell oder photometrisch abgelesen und bewertet: Die Konzentration des Chemotherapeutikums, bei der gerade kein sichtbares Wachstum (keine Trübung) erkennbar ist, gilt als minimale Hemmkonzentration (MHK). Das Verfahren ist gut standardisierbar und eignet sich zur Automatisierung. Auf dem deutschen Markt stehen mehrere kommerzielle Systeme zur Verfügung, deren Sensitivität und Spezifität in einer Vielzahl von Studien überprüft wurde.
  • Bei der Agardilutionsmethode handelt es sich um ein verwandtes Verfahren, bei dem das Antibiotikum in verschiedenen Konzentrationen einem flüssigen Agarmedium zugesetzt wird, das dann in eine Petrischale gegossen wird. Nach dem Erhärten wird der Agar mit einem definierten Inokulum des zu testenden Keimes beimpft und das Wachstum nach Ablauf der Inkubationszeit makroskopisch abgelesen.
  • Die Agardiffusionsmethode funktioniert nach einem anderen Prinzip: Agarplatten werden mit einem definierten Inokulum des zu testenden Keimes beimpft und ein mit einer definierten Antibiotika-Konzentration getränktes Testblättchen wird aufgelegt. Das Antibiotikum diffundiert radial in den Agar, wodurch sich ein Konzentrationsgradient ausbildet. Je nach dem Grad der Empfindlichkeit des Erregers entsteht um das Blättchen ein unterschiedlich großer Hemmhof. Der Hemmhofdurchmesser kann nur eingeschränkt als Maß für die MHK gelten. Auch hier stehen kommerzielle Systeme zur Verfügung, die eine halbautomatisierte Abarbeitung ermöglichen.

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